Wer passt zu uns? Den richtigen Bewerber finden

„Passt dieser Bewerber zu unserem Unternehmen?“ Diese Frage stellt sich jeder Personaler bei jeder Personalentscheidung. Wie vielfältig die Antworten darauf sind wird spätestens dann klar, wenn wir uns fragen, was denn „Passung“ eigentlich heißt? In diesem Artikel möchte ich zwei grundlegende Ideen von Passung vorstellen, mit Halbwahrheiten der Praxis aufräumen und Ihnen ein Konzept zur Begleitung der Personalauswahl vorstellen, mit dem Sie zielsicher die Person finden, die am besten zu Ihnen passt.

Gleiches zu gleichem

Die bekannteste Form der Passung ist jene, die Personalberater neuerdings als Cultural Fit verkaufen: Die neue Person sollte möglichst gut zur bestehenden Unternehmenskultur passen, also möglichst gleich sein. Kreative zu Kreativen, Verwalter zu Verwaltern, Extrovertierte zu den Vertrieblern. Diese Art von Fit wird supplementär genannt. Der Bewerber spiegelt quasi die Werte des Unternehmens, fügt sich gut ein und macht generell wenig Ärger. Diese Art der Passung ist insofern gut, dass diese Mitarbeitenden meist zufriedener sind, sich stärker zugehörig fühlen und seltener kündigen. Gleichzeitig kann eine zu große Übereinstimmung aber zu Innovationsverlust und Stagnation führen. Der „komplett gleiche“ Mitarbeiter passt also gar nicht mehr. Wie kann das sein?

Das fehlende Puzzlestück

Diese Frage verschwindet, sobald wir aufhören Passung als Gleichsein zu verstehen. Denn Fit ist mehr als die Suche nach Ähnlichkeiten. Fit bedeutet nämlich erstmal nur, dass jemand gut zu Ihnen passt. Sie als Entscheider haben die Qual der Wahl, was denn diese Passung ausmacht. Und das bringt uns zum komplementären Fit. Und zu einer Überraschung: Jedes Unternehmen schreibt Stellen mit Blick auf den komplementären Fit aus. Mit jeder Stellenanzeige suchen Unternehmen Menschen mit Qualitäten, die im Unternehmen gebraucht werden. Komplementärer Fit ist nichts anderes, als die Ergänzung der bestehenden Strukturen durch gesuchte Qualitäten. Qualifikationen, Studienabschlüsse, Ausbildungen und Erfahrungswissen sind allesamt komplementäre Fitmaße. Sie wollen ihre Produktpalette um ein ganz bestimmtes Angebot erweitern? Wenn Ihnen die internen Ressourcen fehlen, werden Sie jemanden einstellen wollen, der die benötigten Qualitäten mitbringt. Dieser neue Mitarbeiter fügt sich quasi wie ein fehlendes Puzzlestück in ihr Unternehmen ein und ergänzt ihr Unternehmen. Der neue Mitarbeiter ist also gar nicht wie die Anderen, aber er passt perfekt.

Bewusste Passung

Wie finden Sie nun den passendsten Mitarbeiter? Kurz gesagt, indem Sie sich damit auseinandersetzen, was „Passung“ für Sie und für die konkrete Stelle ausmacht. Als kleine Hilfestellung folgt hier eine Art Fahrplan für eine bewusste Bewerberauswahl. Dabei hat es sich als nützlich erwiesen, zuerst die Passung zur konkreten Stelle und später die Passung zum Team und zur Organisation zu betrachten.

Den passenden Bewerber finden

1. Wie gut passt die Person auf die Stelle?
Um diese Frage zu beantworten, müssen Sie zuerst wissen, was die konkrete Stelle ausmacht: Welche Tätigkeiten sollen in welchem Umfang mit wieviel Verantwortung ausgeführt werden? Zur Erstellung eines solchen Stellenprofils kann es sehr hilfreich sein, bestehende Stelleninhaber zu befragen, z.B. die zukünftigen Teamkollegen oder die ausscheidende Person, deren Stelle frei wird. Diese Personen haben meist das objektivste Bild auf die tatsächlichen Stelleninhalte. Je konkreter Sie eine Stelle ausschreiben, desto eher werden sich passende Bewerber melden. Anhand der eingereichten Unterlagen können Sie dann die Bewerber auswählen, die am besten auf die Stelle an sich passen. Diese Personen sollten Sie zu einem Vorstellungsgespräch einladen, um sie genauer kennenzulernen.

2. Wie gut passt die Person ins Team?
Spätestens im Vorstellungsgespräch können Sie dann die Passung des Bewerbers zum Team und zur Organisation überprüfen. Vorausgesetzt der neue Mitarbeiter arbeitet nicht allein, sollte eine gute Passung zum Team vorliegen. Hierbei interessieren meistens Themen wie Kommunikation, Konfliktfähigkeit und die allgemeine Arbeitsweise. Sie können aber natürlich die Themen ansprechen, die Ihnen wichtig sind.

3. Wie gut passt die Person zu unserem Unternehmen?
Auf dieser Ebene sind wir wieder beim Cultural Fit. Die Frage ist, wie sehr der Bewerber sich mit den Werten des Unternehmens identifizieren kann bzw. auch, wie sehr das Unternehmen die Wünsche des Bewerbers erfüllen kann. Eine gute Passung gründet nämlich nicht nur auf den Fähigkeiten des Bewerbers, sondern auch auf den Angeboten des Unternehmens. Je früher Sie hier mit offenen Karten spielen, desto eher werden Sie einen passenden, langjährigen Mitarbeiter finden.

4. Das Gesamturteil
Auch hier haben Sie wieder die Qual der Wahl: Wollen Sie einen Bewerber, der die Stelle komplett ausfüllt, oder lieber einen, der perfekt ins Unternehmen passt? Gewichten Sie die erfassten Informationen nach Ihrem eigenen Ermessen bzw. am besten nach einem vorab definierten System. Der passendste Bewerber identifiziert sich dann quasi von selbst.

Geringer Aufwand, hoher Nutzen

Vielleicht fragen Sie sich jetzt: „Wo soll ich denn diese Informationen herkriegen?“ Oder: „Das ist zu viel Aufwand für einen Bewerber, dafür fehlt mir die Zeit.“ Für beide Schwierigkeiten gibt es eine Lösung: Zur ersten Frage ist zu sagen, dass es von der einfachen Abfrage im Bewerbungsgespräch bis zu wissenschaftlich fundierten Messverfahren viele Möglichkeiten gibt, diese Informationen qualitativ gut und schnell zu erhalten. Und was die Zeit angeht: Viele Aufgaben, die Sie im Zuge der Bewerberauswahl zu erledigen haben, müssen Sie nur einmal für viele Bewerber angehen: Das erfasste Stellenprofil, die ausgewählten Erhebungsmethoden oder auch ihr erfasstes Unternehmensprofil können Sie für spätere Ausschreibungen meist unverändert nutzen. Und Sie sparen noch an einer anderen Stelle Zeit: Wenn Sie passende Mitarbeiter auswählen, bleiben diese länger im Unternehmen. Sie sparen sich also langfristig viele unerwünschte Kündigungen und die folgenden teuren Arbeitsausfälle und Neubesetzungen. Aller Anfang ist schwer, in diesem Fall sind Ihre Bemühungen aber auch langfristig nutzbar. Ihre zukünftigen loyalen Mitarbeiter und Ihre entlastete Personalabteilung wird es Ihnen danken.

 

Picture Credit: Ryoji Iwata

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