Widerstand ist zweckvoll – Konfliktpotential aufdecken dank Systemischem Konsensieren

Systemisches Konsensieren verfolgt eine einfache Idee: Eine Gruppe von Menschen soll die Option wählen, bei der sie den geringsten Widerstand verspürt. Das führt zu Motivation, geringem Konfliktpotential und tragfähigen Entscheidungen. Doch warum können Sie dafür nicht einfach einen Mehrheitsentscheid nutzen?

Mehrheitsentscheide verschweigen das Konfliktpotential

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie wollen in Ihrer Firma ein zeitgemäßes Arbeitszeitmodell einführen oder in Ihrem Abteilungsteam das Projektmanagement verbessern. Sie informieren sich also zu den möglichen Optionen und treffen eine Vorauswahl, die Sie sogar der Belegschaft in einer Versammlung präsentieren. Da Sie die Umstrukturierung nicht im Alleingang entscheiden wollen, bitten Sie um Handzeichen zur Zustimmung und wählen so die beste Option aus. Sie sind froh, als Firma/Team einen Konsens gefunden zu haben, mit dem Sie nun arbeiten können. Doch halt: Kurz nach der Einführung macht sich Unmut breit: „Hätte man nicht…“, „Besser wäre gewesen…“. Dabei hatten Sie doch die beste Idee ausgewählt. Wie konnte das passieren?

„Wer zustimmt, ist nur nicht dagegen. Alles andere müssen Sie gesondert erfragen.“

Warum die beste Idee noch nicht gut sein muss – 4 Gründe gegen die Abfrage der Zustimmung

#1 – Die Zustimmung erscheint schnell alternativlos
Egal ob eine oder mehrere Optionen: „Eine muss ich ja wählen.“ Diese hat dann zwar die größte, aber eventuell nicht die nötige Zustimmung. Und das heißt: Herausfinden woran es liegt. Dabei hilft die reine Zustimmung nicht.

#2 – „Ja oder Nein“ reicht nicht aus
Auch hier zeigt sich die Limitation der reinen Abfrage. Wie gerne würden Sie manchmal „Ja, aber“ sagen. Ob die Befragten vollends überzeugt sind oder einfach nur nicht dagegen sein wollen, ist eine wichtige Information. Die hier leider untergeht.

#3 – Der Fokus liegt nicht auf potentiellen Problemen
Das mag vielleicht kleinlich wirken, aber: Mit Ihrer Bitte nach Handzeichen bitten Sie um Zustimmung, nicht um Nicht-Zustimmung. Das beeinflusst die Gedanken und das Abstimmungsverhalten Ihrer Mitarbeitenden. Sie können so potentielle Probleme schlechter identifizieren.

#4 – Die Frage nach Zustimmung regt nicht zum Nachdenken an
Zustimmung ist kein Prozess, sondern die abschließende Bewertung Ihres Nachdenkens. Wenn Sie direkt die Zustimmung erfragen, geben Sie den Betroffenen keinen Raum, Ihre Zustimmung zu begründen. Ein „Ja oder Nein“ werden Sie trotzdem bekommen.

Kurz gesagt: Wer zustimmt, ist nur nicht dagegen. Alles andere müssen Sie gesondert erfragen.

Erfassen Sie Widerstände – Gute Entscheidungen mit Systemischem Konsensieren

Das Systemische Konsensieren bietet eine echte Alternative zum bisherigen Mehrheitsentscheid. Systemisches Konsensieren zielt darauf ab, aus möglichst vielen Alternativen die Option mit dem geringsten Widerstand zu identifizieren. Diese Option besitzt das geringste Konfliktpotential und sorgt für einen optimalen Interessensausgleich zwischen den Parteien. Wie Sie diese Option erhalten? Mithilfe von nur vier Schritten:

  1. Entwickeln Sie (am besten als Gruppe) möglichst viele Vorschläge.
  2. Lassen Sie die Vorschläge von allen Beteiligten bewerten. Dabei kann jede Person jeder Option 0 bis 10 W-Punkte geben. 0 Punkte heißt „Ich habe keinen Einwand gegen diese Option.“ 10 Punkte heißt „Diese Option ist für mich unannehmbar.“ Die Punkte dazwischen werden nach eigenem Ermessen vergeben.
  3. Addieren Sie die W-Punkte jeder Entscheidung.
  4. Wählen Sie die Option mit den wenigsten W-Punkten. Diese Option gilt nun als „konsensiert“.

Glück im Unglück

Und wenn nun keine Entscheidung geringe Widerstände hervorruft? Dann haben Sie Glück! Denn dank des systemischen Konsensierens haben Sie diese Widerstände identifiziert, bevor Sie die „beste“ Option tatsächlich umgesetzt haben. Jetzt heißt es entweder diese Option gemeinsam verbessern, oder eine neue, wirklich gute Option entwickeln.

Nutzen Sie das Prinzip des systemischen Konsensierens, um Gruppenentscheidungen zu treffen, bestehende Konflikte inhaltlich zu bearbeiten oder Vorstandsentscheidungen zu informieren. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Egal, wo Sie systemisches Konsensieren einsetzen: Sie werden stets die beste Lösung für Ihre Gruppe finden.

 

Picture Credit: JOHN TOWNER

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